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Die Entstehungsphasen eines Reit- und Bewegungsplatzes

5. Juli 2018

Ist die Entscheidung getroffen einen Reit- oder Bewegungsplatz zu bauen, muss man sich von Anfang an bewusst machen, dass der Bau nicht „einfach so“ begonnen und durchgeführt werden darf. Der folgende Artikel bietet eine Hilfestellung um einen Überblick über die die Planung und den Bau zu bekommen und sich ein grobes Planungskonzept zu überlegen.

So können die individuellen Ansprüche, die an den eigenen Reit- bzw. Bewegungsplatz gestellt werden, erst einmal gesammelt und dann zum Beispiel an den Reitplatzbauer oder den ausführenden Baubetrieb weitergegeben werden. Wir empfehlen, obwohl der Bau in Eigenregie möglich ist, sich immer professionelle Unterstützung zu holen. Profis verfügen nicht nur über das Fachwissen, sondern auch über die entsprechenden Geräte, wie bspw. einen Laser-Grader, um das Material fachgerecht einzubauen.

Phase 1: Budget für den Reitplatz
Einer der ersten und wichtigsten Punkte ist die Frage nach dem Budget, daher sollte man vorher genau festlegen wie hoch das Budget sein darf. Der Bau eines Reitplatzes ist finanziell nicht zu unterschätzen. Die Preise für die Materialen für den Unterbau, der Sand für die Tretschicht und den professionellen Einbau können unterschiedlich ausfallen. Holen Sie sich deshalb mehrere Angebote ein, um herauszufinden, welches das für Sie passendste Angebot ist. Es ist jedoch Vorsicht geboten, denn wer billig kauft, kauft häufig doppelt. Denn zu günstiger Sand und zu günstig ausgeführte Arbeiten lassen möglicherweise in ihrer Qualität zu wünschen übrig oder sind nicht auf Ihre Bedürfnisse angepasst. Deshalb sollten Sie, trotz knappen Budgets auf Qualität und Funktionalität achten. Ausschlaggebend für den endgültigen Preis kann überdies die Wahl der Entwässerung sein. Da bei dem oberflächenentwässernden Aufbau keine Drainage benötigt wird, ist dieser meist günstiger als der vertikal entwässernde Aufbau. Welche Möglichkeiten für Sie bezüglich der Sandauswahl und des Aufbaus explizit bestehen und wie teuer diese sind, haben wir Ihnen bereits hier zusammengefasst.

Phase 2: Standortwahl für den Reitplatz
Genauso wichtig wie das Budget ist die richtige Wahl des Standortes. Auch hier gibt es einige Dinge die neben den finanziell zur Verfügung stehenden Mitteln zu beachten sind.
Ein Außenreitplatz sollte im besten Fall am höchsten Punkt des Geländes angelegt werden. Dadurch läuft bei Niederschlag von höher gelegenen Flächen nicht zusätzlich noch mehr Wasser auf den Reitboden.
Zweitens sollte auf die Umgebung geachtet werden. Gibt es Nachbarn die durch anfallenden Sand gestört werden könnten oder gibt es Straßen oder andere Gefahrenquellen in der Nähe?
Drittens ist es wichtig, vor dem Bauantrag (Phase 5) durch ein Bodengutachten sicherzustellen, dass der Baugrund eine ausreichende Tragfestigkeit besitzt. Andernfalls muss der Untergrund entsprechend bearbeitet werden, um die Standfestigkeit des Bodens zu gewährleisten. Des Weiteren muss ebenfalls bei der Unteren Wasserbehörde (UWB) eine entsprechende Genehmigung eingeholt werden, wenn RC (Recycling)-Material verwendet werden soll. Überdies kann die UWB auch eine Analyse der Bodenstruktur anfertigen.

Diese aufgelisteten Punkte sind nicht nur für die Lebensdauer des Reitplatzes essentiell, sondern auch für die Funktionalität.

Phase 3: Nutzung / Nutzungsintensität des Reitplatzes
Die Auswahl der richtigen Tretschicht ist abhängig von den Zielvorstellungen, genauer gesagt von dem voraussichtlichen Nutzen und der Nutzintensität. Daher sollte man sich stets fragen: Für welche Disziplinen soll der Boden ausgelegt werden? Für wie viele Pferde soll er geeignet sein? Welche anderen Ansprüche habe ich noch an den Boden? Sande und Sandmischungen können speziell auf ihre Wünsche und Anforderungen abgestimmt und hergestellt werden, deswegen sprechen Sie Ihren Sandlieferanten immer an und teilen Sie Ihre Wünsche und Anforderungen mit. So kann die für Sie perfekte Mischung entwickelt werden.
Beispielsweise ist für die Dressur ein besonders elastischer und federnder Boden geeignet. Für den Springsport ist ein besonders griffiger und scherfester Boden erforderlich. Welches unserer Reitsandprodukte  für welche Disziplin am besonders geeignet ist, finden Sie unter der Übersicht stresan® Produkte.

Phase 4: Entwässerungs-System für den Reitplatz
Auch die Entwässerung des Platzes spielt bereits während der Vorbereitungen eine große Rolle. Wie bereits in Phase 2 erklärt wurde, ist es sinnvoll den Platz an einer erhöhten Stelle zu errichten. Darüber hinaus gibt es viele unterschiedliche Entwässerungssysteme, zwei wollen wir hier kurz vorstellen.

Oberflächliche Entwässerung
Bei unserem stresan® A Reitsand wird das Wasser oberflächlich abgeführt. Da sich dieser Sand sehr gut verdichtet, kann das Wasser über die Oberfläche des Sandes ablaufen. Aus diesem Grund ist kein wasserdurchlässiger Unterbau notwendig. Es ist jedoch unerlässlich, dass ein Gefälle von 1 -2 % vorhanden ist, damit das überschüssige Wasser über die Oberfläche ablaufen kann.
Für eine optimale Funktionalität sollte mit einer Trag- und Trennschicht gearbeitet werden. Auf einen Unterbau kann nur in besonderen Fällen verzichtet werden. Hierzu müssen alle Gegebenheiten vor Ort stimmen und es gibt sehr viele Aspekte zu beachten. Es besteht in diesem Fall auch immer das Risiko, dass Feuchtigkeit von unten hochsteigt und der Untergrund sich mit der Tretschicht vermischt.

Vertikale Entwässerung
Die stresan® Reitsandmischungen stresan® N, stresan® V und stresan® S sind wasserdurchlässig und benötigen dementsprechend einen wasserdurchlässigen Unterbau. Dieser sollte idealerweise aus der Trag- / Drainageschicht, der Trennschicht und der Tretschicht bestehen. Wie bereits in Phase 1 beschrieben, ist dieser Unterbau etwas kostspieliger, aber jedoch notwendig, wenn wasserdurchlässige Sandmischungen genutzt werden sollen.


Hier sind unsere Testflächen dargestellt. Auf der linken Seite wird eine vertikale Entwässerung mit Drainageunterbau für unseren stresan® V gebaut. Zu sehen ist bereits die Trag- & Drainageschicht. Auf der rechten Seite entsteht eine oberflächig entwässernde Fläche für den stresan® A mit 1-2 % Gefälle. Zu sehen ist bereits die Tragschicht.

Phase 5: Baugenehmigung für den Reitplatz
Bevor mit dem Bau der Reitfläche begonnen werden kann, muss eine Baugenehmigung eingeholt werden. Vorab ist es wichtig zu wissen, ob man einen Reitplatz oder einen Bewegungsplatz bauen möchte. Die Nutzungsmöglichkeiten eines Reitplatzes beinhalten das Reiten und die Arbeit mit dem Pferd auf diesem. Ein Bewegungsplatz bietet dem Pferd die Möglichkeit sich frei zu bewegen und dadurch den Bedürfnissen eines Pferdes nach Bewegung gerecht zu werden. Entscheidend für die Wahl zwischen der Bezeichnung Bewegungsplatz und Reitplatz, vor allem im Hinblick auf die Baugenehmigung, sind die Unterschiede zwischen Pferdebetrieben und Pferdehaltung.

Bei einer reinen Pferdehaltung braucht ein Pferd mind. 0,35 Hektar Fläche auf der es sich frei bewegen kann. Hierbei steht nicht im Vordergrund, dass das Pferd als Verdienstquelle angesehen wird.

In Pferdebetrieben (Schulbetrieb, Pensionsbetrieb, Verkaufs- und Ausbildungsstall, etc.) dürfen die Pferde mit weniger als 0,35 Hektar Fläche gehalten werden. Der Bau eines Bewegungsplatzes ist in diesem Fall jedoch nicht gerechtfertigt. Wichtig ist in beiden Fällen, dass die Leitlinien zur Pferdehaltung eingehalten werden.

Wichtig: Die Baugenehmigung muss vor Baubeginn eingeholt werden!

Phase 6: Bauphase des Reitbodens
Nachdem die Art des Baus (Außenplatz oder Reithalle), die Form des Aufbaus (siehe Phase 4), eine individuelle Tretschicht und der Standort (siehe Phase 2) ausgewählt wurden sowie eine Baugenehmigung vorliegt, kann der eigentliche Bau beginnen. Wie oben beschrieben empfehlen wir sich bei dem Einbau professionelle Unterstützung zu sichern. Zum einen werden von einem Reitplatzbauer alle Arbeiten vorschriftsgemäß ausgeführt und zum anderen wird die Funktionalität des Reitplatzes auch auf Dauer gewährleistet.

Sobald der Reitplatz fertig gestellt ist, sollte der Reitplatz eingefasst und evtl. sogar umzäunt werden. Dabei ist es wichtig zu beachten, dass bei einem oberflächlich entwässernden Reitboden, wie beispielsweise mit unserem stresan® A, die Einfassung an der Seite an der das Gefälle ausläuft mit der Tretschicht abschließt. Dies hat den Grund, dass das Wasser über die Begrenzung hinweg abfließen kann und kein Wasserrückstau entsteht.

Bei einem Reitboden mit Drainageunterbau, wie zum Beispiel mit unseren wasserdurchlässigen Reitsandmischungen stresan® V, stresan® S oder stresan® N, kann der Reitplatz komplett eingefasst werden, da das Wasser vertikal durch alle Schichten abläuft. Weitere Infos zur Reitplatz Einfassung und Umzäunung gibt es unter Reitplatz Einfassung.


Bei beiden Flächen ist bereits die Trennschicht aufgebracht und verdichtet worden.

Phase 7: Pflege des Reitbodens
Damit die Tretschicht des Reitbodens ihre Funktionalität optimal beibehält, ist es wichtig den Reitboden richtig zu pflegen. Das heißt regelmäßiges Abäppeln, Bewässern, Hufschlag glätten und Abziehen der gesamten Fläche mit einem geeigneten Bahnplaner sind ein Muss für die Instandhaltung des Bodens.
Gerade am Anfang benötigt der Sand einige Zeit um sich richtig zu „setzen“. Hier ist es besonders wichtig, dass der Boden zu Beginn regelmäßig gewässert und geschleppt wird. Das ist wichtig, weil die Tretschicht in der ersten Zeit nach dem Einsetzten des Sandes noch locker ist und Feuchtigkeit und Pflege braucht um sich zu verdichten. Wir haben Ihnen bereits unsere Pflegehinweise anschaulich zusammengestellt damit Sie Ihrem neuen Sand die bestmöglichste Pflege zukommen lassen können, um noch lange Freude an diesem zu haben.

Wir hoffen, dass wir den richtigen Aufbau eines Reit- und Bewegungsplatzes näherbringen und auf Punkte aufmerksam machen konnten, an die vielleicht nicht direkt gedacht. Wir wünschen Ihnen viel Freude mit Ihren neuen Reit- und Bewegungsplätzen und stehen bei Fragen natürlich gerne per E-Mail oder telefonisch unter der 02045-95420 zur Verfügung.


Die Flächen sind fertig. Bei der rechten Fläche mit stresan® A kann sehr gut das Gefälle erkannt werden. Obwohl die Testfläche höher als die “Tretschicht” eingefasst ist, kann das Wasser aufgrund von Lücken zwischen den Steinen gut ablaufen. Bei der Größe eines Reitplatzes sollte die Einfassung mit der Tretschicht abschließen, damit das Wasser gut ablaufen kann und keine Pfützen entstehen.

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