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Turnierreiten in den Niederlanden

2. August 2018

Turnierreiten in den Niederlanden ist bei vielen Pferdeliebhabern sehr beliebt geworden. Besonders in der kalten Jahreszeit sind deutsche Reiterinnen und Reiter  in den großen und geräumigen Hallen zu finden. Woran Sie vor Ihrer Teilnahme an einem niederländischen Turnier denken sollten und welche signifikanten Unterschiede zwischen niederländischen und deutschen Turnieren bestehen, wollen wir Ihnen durch diesen Artikel näher bringen. Denn auch wenn man es nicht glauben mag, zwischen den beiden Nachbarländern bestehen so einige Unterschiede.

Vor der Turniernennung in den Niederlanden
Bevor Sie mit der Turnierplanung starten, sollten Sie wissen, dass die verschiedenen Klassen in den Niederlanden unterschiedliche Bezeichnungen haben und die Ponys ihrer Größe nach eingeteilt werden.
Zunächst also die Einteilung der Ponys. Diese werden in fünf verschiedene Kategorien, nach Stockmaß eingeteilt.


Auffällig: Kategorie E-Ponys würden in Deutschland bereits als Pferd gezählt werden.

Aus diesem Grund wird auf den Turnieren nicht nur zwischen Pferde- und Ponyprüfungen unterschieden, sondern auch die Ponyprüfungen nochmals unterteilt. Das heißt, dass jede Kategorie (A-E) eine eigene Prüfung darstellt.

Bevor Sie Ihre Nennung abgeben können, müssen Sie entweder eine Gastlizenz beantragen oder Mitglied eines niederländischen Reitvereins sein. Die Gastlizenz (Antrag auf Startgenehmigung im Ausland) kann bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V. (FN) beantragt werden. Der Vorteil einer Vereinsmitgliedschaft in den Niederlanden besteht darin, dass man auch bei den niederländischen Meisterschaften teilnehmen darf, ohne im Kader sein zu müssen. Um bei den Meisterschaften (Kring Kampioenschap (Kreismeisterschaft), Regio Kampioenschap (Landesmeisterschaft), Nederlandse Kampioenschap/Hippiade (Niederländische Meisterschaften)) teilnehmen zu dürfen, muss sich jeder Reiter mit seinen Erfolgen auf den niederländischen Turnieren qualifizieren. Durch diese Vorgehensweise ist es möglich, dass sich jeder qualifizieren und auch teilnehmen kann.


Turnierschleife der KNHS (Koninklijke Nederlandse Hippische Sportfederatie) Hippiade 2015

Bevor Sie Ihre Nennung abschicken können, müssen Sie bei der FN Ihre bisherigen Turniererfolge bestätigen lassen, sodass die KNHS Sie in die richtige niederländische Klasse einordnen kann. Erst dann können Sie nach Turnieren Ausschau halten. Beachten Sie, dass dieser Prozess eine Weile dauern kann.
Praktischerweise kann man in den Niederlanden noch eine Woche vor dem Turnier seine Nennung abschicken, daher ist es möglich noch spontan an einem Turnier teilzunehmen.
Darüber hinaus sollte man wissen, dass das Pferd für den Grenzübertritt und das Turnier gechipt sein muss, dies wird vor jedem Turnier kontrolliert.

Besonderheiten auf Reitturnieren in den Niederlanden
Der Turnierablauf in den Niederlanden weist ebenfalls große Unterschiede auf. Sogar zwischen den Dressur- und Springprüfungen sind Unterscheide leicht zu erkennen. Aus diesem Grund haben wir im weiteren Verlauf dieses Artikels diese gesondert aufgeschrieben.
Für beide Disziplinen aber gilt, dass vor Ort am Tag des Turniers eine Umnennung in eine leichtere Prüfung immer möglich ist - wohingegen in Deutschland lediglich ein Reiter- bzw. Pferdewechsel durchgeführt werden kann. Außerdem muss in den Niederlanden, außer bei den Meisterschaften, keine Kopfnummer getragen werden.

Dressurprüfungen in den Niederlanden
Die Dressurprüfungen können dem ein oder anderen schon einen kleinen Kulturschock bereiten.

Klasseneinteilung in den Niederlanden: BB= Vorbereitung auf die Klasse B, B=Beginner, L=Leicht,  M=Mittel, Z=Schwer, ZZ=Sehr schwer. Bei der Dressur werden die Klassen: Z2pony’s, Klasse Lichte/Zware Tour durch die Fédération Équestere Internationale-Prüfungen ergänzt

Die Klassen beider Länder sind nicht vergleichbar, denn die niederländische Klasse BB  kann nicht gleichgesetzt werden mit der deutschen Klasse E, obwohl BB auch die einfachste Klasse in den Niederlanden ist. Darüber hinaus gibt es in den Klassen L, M und Z eine weitere Unterteilung in 1 und 2 . Dies kann mit den deutschen Sternen verglichen werden (A*, A**, …).

Weitere Unterschiede weist die niederländische Prüfung an sich auf. Jeder Reiter erhält vorab eine feste Startzeit, die sich im weiteren Verlauf nicht mehr ändern kann, auch wenn z.B. drei Reiter ausfallen. Die Prüfungen werden stets alleine geritten und bestehen immer aus zwei Aufgaben zwischen denen eine Pause von höchstens einer halben Stunde liegt. In der Pause muss überdies auch das Viereck gewechselt werden. Während der Prüfung sitzen die Richter meistens nicht im Richterhäuschen, sondern in einem Auto bei „C“ und hupen, sobald sich der Prüfling verreitet. Überdies kann in den Niederlanden jeder Reiter selbst bestimmen, ob er die Prüfung auswendig reiten möchte oder rechts neben dem Viereck seinen eigenen Kommandogeber stehen haben will und ob ab der Klasse Z1 Pferde mit Kandare oder normaler Trense angetreten wird.


In den Niederlanden sitzen die Richter in Autos und nicht in Richterhäuschen

Die anschließende Siegerehrung findet immer ohne Pferd und in der Regel nicht auf dem Hauptplatz, sondern in der Nähe der Besucher wie zum Beispiel im Casino statt. Die Meisterschaften nehmen hier wieder eine besondere Stellung ein, denn hier werden die besten drei Paare auf dem Hauptplatz geehrt.
Die Bewertung des Reiters innerhalb der Prüfung läuft nach einem ganz bestimmten Schema ab. Dieses sieht wie folgt aus: Innerhalb der Prüfung sammelt der Reiter Punkte für seinen Ritt. Die Skala reicht von 1 bis 10 Punkten, wobei 10 das Beste ist. Die Reiter sammeln nicht nur für die Ausführung der einzelnen Lektionen Punkte, sondern auch für den Gesamteindruck, Hilfestellungen, Harmonie zwischen Reiter und Pferd und noch einigen weiteren anderen Kriterien. Daraus ergibt sich eine maximale Gesamtpunktzahl von ca. 300 Punkten, je nach Klasse können Schwankungen bestehen. Der Reiter mit der höchsten Gesamtpunktzahl gewinnt die Prüfung.
Die Punkte haben noch eine weitere wichtige Aufgabe (siehe Tabelle 3). Denn aus der Gesamtpunktzahl wird außerdem eine Prozentzahl ermittelt. Mit Hilfe dieser Zahl kann bestimmt werden, wie viele „winstpunten“ (Gewinnpunkte) ein Reiter in seiner Prüfung erreicht hat. Sobald ein Reiter in seiner Klasse 10 Punkte besitzt, kann er eine Klasse höher starten.


Tabelle 3: Berechnung der Gewinnpunkte


Schärpe der Regionalmeisterschaften Gelderland


Springprüfungen in den Niederlanden
Die niederländischen Springprüfungen sind ähnlich wie die deutschen Prüfungen aufgebaut. Hier kann sich die Startzeit verändern und die Richter sitzen nicht in einem Auto, sondern auch in einem Richterhäuschen. Die Siegerehrung findet meistens direkt nach der Prüfung auf dem Hauptplatz statt, wo die Reiter mit ihren Pferden geehrt werden oder es gibt gar keine Siegerehrung. Die Reiter können dann online die Platzierungen einsehen und bekommen die Gewinnsumme  auf das jeweilige Konto überwiesen.

Wie bei den niederländischen Springprüfungen wird nicht nur zwischen Pferd und Pony, sondern auch zwischen den verschiedenen Ponykategorien unterschieden. Daraus ergeben sich folgende Sprunghöhen wie in den Tabellen 4 und 5 zu sehen ist.


Tabelle 4: Sprunghöhe Pferde


Tabelle 5: Sprunghöhe Ponys

Ebenfalls wie in der Dressur wird das Punktesystem auch hier angewendet. Bei einem fehlerfreien Durchgang erhält man 2 „winstpunten“ und bei einem Durchgang mit 1-4 Strafpunkten nur noch einen „winstpunt“.


Prüfungsspringplatz in Peelbergen NL. Links im Hintergrund sind die großen Reithallen zu erkennen und mittig ist ein verglastes Zuschauergebäude.

Die Platzierungen und Gewinnpunkte werden in Deutschland generell nicht angerechnet. Für eine Anrechnung der Punkte in Deutschland muss dies bei der FN beantragt werden.

Wir hoffen, dass wir Ihnen Fragen zu den Turnieren in den Niederlanden bestmöglich beantworten und die Unterschiede zwischen Deutschland und den Niederlanden verdeutlichen konnten.

Veel succes!

 

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